Chronik
Auf unsere Geschichte sind wir stolz !
Schach, eine verstandorientierte Kunst (im Gegensatz zu emotionalen Künsten wie Musik und Malerei), war auch in Deutschland ursprünglich ein Spiel „gehobener“ Kreise, es wurde an Fürstenhöfen, in Klöstern und Gelehrtenkreisen gepflegt. Das erste Schachturnier („Schachzabelspiel“) ist vom 21. September 1467 zwischen den Städten Heidelberg und Nördlingen überliefert. Teilnehmen sollte gemäß generösem Erlass des Pfalzgrafen Friedrich I. von Baden jeder Kenner der Kunst, ob „von edler oder unedler Herkunft“.
Die verlockende äußere Einfachheit des Schachbrettes und der 16 weißen und schwarzen Figuren hat schon vor Jahrhunderten auf jeden Betrachter, auch in der alten Schul- und Verwaltungsstadt Friedberg, irgendwann einmal Eindruck gemacht. Viele, sehr viele, versuchten seither das Spiel zu begreifen, wenn auch meistens nur im Sinne von Spielerei. Der deutsche Großmeister und Arzt Siegbert Tarrasch analysierte mehr: „Ich habe ein leises Gefühl des Bedauerns für jeden, der das Schachspiel nicht kennt, ungefähr so, wie ich jeden bedaure, der die Liebe nicht kennen gelernt hat. Das Schach hat wie die Liebe, wie die Musik, die Fähigkeit, den Menschen glücklich zu machen.“
Aber Schach ist kein Glücksspiel, sondern setzt solide Kenntnisse und trotz seines logischen Aufbaus eine immense Kreativität voraus. Jeder Schachspieler wird bestätigen, dass die allgemeinen Spielregeln nicht außergewöhnlich schwer sind und bereits im Vorschulalter erlernt werden können. Ist dieser erste Schritt aber einmal getan, erkennt er, dass das Zusammenspiel der so ganz und gar verschiedenartigen Figuren um so komplizierter, aber auch herausfordernder wird, je mehr er die innere Logik der Zusammenhänge begreift und überschaut. Genau dann wird er zum zähen Kämpfer, dem die Aufgabe zufällt, die Führung und somit die Verantwortung seiner Truppe zu übernehmen und sie ins geistige Gefecht zu führen. Er muss organisieren und weiß, dass das Gelingen vom höchsten Einsatz seiner geistigen Fähigkeiten abhängt. Da das Schach auf rein logischen Grundgesetzen aufgebaut ist, erzwingt es neben der Kreativität ein strikt folgerichtiges Vorgehen. Und es verlangt gebieterisch eine klare Vorstellungskraft. Beherrschung, Sicherheit im Denken und Handeln, Verstand, Willensstärke usw. sind die bedeutenden Merkmale von Schachkämpfen und -kämpfern. Und die Faszination! Wenn in einer Wettkampfpartie eine scharfe Stellung entstanden ist, „brennen“ Brett und Figuren, Spieler und Zuschauer vor Leidenschaft.
Und das, obwohl bei Schachturnieren (anders als vor 1860, als Besucher noch lärmend begrüßt wurden) Stille Pflicht ist. Kaum ein Wort wird gesprochen. Die Konzentration darf nicht unterbrochen werden. An den Trainingstagen geht es allerdings weitaus lockerer zu (s. unten) – denn als Freizeitverein von Amateurspielern wollen wir am Spiel mit der Kreativität auch Spaß haben.
Doch auch das wohl erhabenste und schönste, sicher aber älteste aller Spiele mit den höchsten Anforderungen an eine wache Intelligenz konnte sich dem Wandel der Zeit nicht verschließen. Es hat sich von einem eher Geselligkeits- zu einem geistigen Kampfsport entwickelt. Früher – vor 1948 – gab es nur selten Wettkämpfe zwischen Mannschaften, behindert auch wegen der – aus heutiger Sicht – noch unterentwickelten Verkehrsmöglichkeiten. Wie in den meisten Vereinen, so stand auch im Friedberger Verein bis 1947 der Geselligkeitscharakter im Vordergrund. Diesen schätze ich persönlich noch immer höher als die heutigen manchmal leidigen Termin- und Finanzzwänge.
Man traf sich nicht nur im Vereinszimmer, sondern bei schönem Wetter auch im Freien, z.B. auf der „Burgfreiheit“, ein Freigelände rechts vor dem Eingang zur Burg, eine Ausbuchtung der heutigen Kaiserstraße. Sie hieß bis 1844 „Breite Straße“, dann „Ludwigstraße“ nach dem Hessen-Darmstädtischen Großherzog. 1874 erfolgte nach einem Manöverbesuch von Kaiser Wilhelm I. in Friedberg die Umbenennung in die bis heute „Kaiserstraße“. Die „Breite Straße“ endete an der Burg, die erst 1855 der Stadt angeschlossen wurde, eine Straßenverbindung nach – damals noch – Nauheim gab es ab 1843. Oder man spielte vor dem Haus Usagasse 20 des schachbesessenen Johann de Monte (Schriftsetzer, 1889-1966), Vater und Lehrer der erfolgreichen Klubspieler Hans und Walter de Monte (s. unten). Schachverständige umlagerten das Brett und gaben – ganz wie noch heute – ihre mehr oder minder passenden Kommentare ab. Johann de Monte verlor nicht gern, und schon gar nicht gegen seinen aufmüpfigen Enkel Hans-Joachim. Dieser erzählte schmunzelnd, dass der Großvater im Spiel gegen ihn – damals Kind – einmal „versehentlich“ die Figuren umwarf, als er auf Verlust stand. – Heute trifft man sich im Sommer hin und wieder auch vor der Stadthalle unter schattigen Bäumen.
„Professioneller“ ging es in den übrigen Schachzentren Oberhessens zu: In Alsfeld (seit 1902), Bad Nauheim (seit 1910) und Gießen (seit 1858) wurde Schach schon eher sportlich ausgeübt. Allerdings war unsere heutige Mobilität mit weiten Reisen unvorstellbar. Heute ist das Schach als Sport organisiert wie viele andere Sportarten auch: Wer die besten Sponsoren hat, wird deutscher Meister. Mannschaftsspiele in allen Klassen bis hin zur Bundesliga sind die Regel. Hinzu kommen viele Sonderturniere: Von der Vereins- und Stadtmeisterschaft über die des Bezirkes Hessens, bis hin zur deutschen und Weltmeisterschaft. Jugend-, Senioren-, Simultanturniere werden ausgetragen. Attraktiv geworden sind ferner Wettkämpfe mit verkürzter Bedenkzeit bis hin zum Blitzschach. Doch immer ist das Schach (abgeleitet vom persischen Shah = König) ein Individualsport, ein „fair play“ von Geist gegen Geist geblieben, der von Kindesbeinen an bis ins hohe Alter ausgeübt werden kann: Schach fordert und fördert die geistige Beweglichkeit.

Aus dem Oberhessischen Anzeiger vom 07.03.1891
Dass ein interessantes neues Spiel, das oben erwähnte „Schachzabelspiel“ gerade nach Europa gelangt war, möglicherweise im Gepäck von Kreuzrittern, war eventuell schon 1336 in der Friedberger Burg bekannt. Eine Randnotiz in einem Zeitungsbericht vom September 2004 lässt darauf schließen. Burg (als Kastell angelegt von den Römern vor über 2.000 Jahren) und die „Freie Reichsstadt“ waren Jahrhunderte lang verfeindet, seit 1275 die Burg von der Stadt in Schutt und Asche gelegt worden war. Im 15. Jahrhundert hatte es Friedberg mit der Tuchweberei zu Ansehen und Wohlstand gebracht.
Im 19. Jahrhundert war Schach jedenfalls auch in der kleinen Kreisstadt Friedberg bereits mehr als ein Gelehrten- und Familienspiel. 1805 zählte die Stadt (noch ohne Burg und „Vorstadt zum Garten“) rd. 2000 Einwohner (wie schon einmal im Jahre 1357), 1875 4420 Einwohner (Gießen 14337), 1880 4856 „Seelen in 526 bewohnten Häusern“ (Gießen 17168), 1900 6882 (Bad Nauheim 5066), 1910 mit Fauerbach 9518, im Juni 2007 mit allen Stadtteilen 27763 Einwohner (Bad Nauheim 30887). In Anzeigen der Bindernagelschen Buchhandlung aus 1864 („Morphy's Schachspielkunst“), 1866, 1870, 1873, 1874 und 1877 („mit 14 Musterparthien berühmter Schachspieler“) wurden Schachbücher angeboten, damals noch Raritäten, für die es demnach schon einen Bedarf gab. Die erste Deutsche Schachzeitung erschien 1846 in Berlin, der Berliner Schachklub wurde 1803 als erster Deutschlands gegründet (vom Bildhauer Johann Gottfried Schadow), der Deutsche Schachbund 1877, einige Jahre nach der Reichsgründung (1875 wurde in der Ortsmitte des heutigen Friedberger Stadtteils Bruchenbrücken die Gaststätte „Zur Deutschen Einheit“ eröffnet). 1891 gehörten dem Schachbund 92 Vereine mit 2488 Mitgliedern an.
Anregungen in der „hohen Kunst“ boten vermutlich schon die begeistert gefeierten Erfolge des Adolf Anderssen, Lehrer in Breslau und Schöpfer der „unsterblichen Partie“. Er gewann, 33-jährig, 1851 im Londoner St. George's Chess Club das erste gemeinsame Turnier der weltbesten Spieler (veranstaltet im Rahmenprogramm der 1. Weltausstellung, Siegpreis: 183 £ = 15450 Euro nach der Kaufkraft im Jahr 2000, errechnet aus Angaben der Barclays Bank) und gilt seitdem als der erste Erdmeister, obwohl ein solcher Titel erst von 1866 an vergeben wurde.
Und schon lange vor 1894, als mit Emanuel Lasker ein zweiter (und bisher letzter) Deutscher Erdmeister wurde (er war es dann bis 1921), verabredete man sich auch in Friedberg mehr oder minder regelmäßig privat oder in Restaurationen, rauchte Zigarren oder Pfeife, las den Oberhessischen Anzeiger beim Schein von Gaslicht (seit 1863) oder Petroleumlampen (die Aufnahme der allgemeinen Stromversorgung in der Stadt erfolgte am 28. Januar 1913, in Frankfurt/Main am 8. Dezember 1894, die Wetterauer Zeitung erscheint seit dem 3. Mai 1950), besprach die täglichen Ereignisse und spielte und philosophierte über Schönheit und Vielfalt des Schachs. Wer aus den umliegenden Gemeinden an den geistigen Duellen teilnehmen wollte und nicht gerade mit der Main-Weser-Eisenbahn (ab 1852) anfahren konnte, kam herein geritten („Stadtparthie“) und stellte sein Pferd im städtischen Pferdestall ein („Parkdeck für Pferde“, 1855 wegen des erhöhten Verkehrsaufkommens – Bahn! – in der Haagstraße 16 neu errichtet, heute Wetterau-Museum) oder im Stall eines Gasthauses.
Es war die Zeit der Vollbärte (die Rasierklingen waren noch nicht erfunden), eine Zeit, in der wegen der räumlichen Gebundenheit die Geselligkeit im Verein trotz wenig allgemeiner Freizeit einen hohen ideellen Wert hatte – es gab noch nicht die Schnelllebigkeit und Hektik von heute, noch nicht so viele konkurrierende Reize wie Asphaltstraßen mit Autos, Radio, Fernsehen und Internet, die ständige Erreichbarkeit übers mobile Telefon. Dafür betrug die wöchentliche Arbeitszeit nicht selten 60 Stunden. Die Gastwirte hatten eine mehr praktische und daher zwiespältige Einstellung zur Schachkunst. Einerseits waren die Künstler auch gute Debattierer, aber – wegen der notwendigen und daher zeitraubenden Konzentration – auch „schlechte Verzehrer“. Dennoch waren sie häufig bis weit nach Mitternacht aktiv, während dem Wirt schon die Augen zufielen. Andererseits hoben die Gasthäuser ihr Ansehen, indem sie den Anhängern des Königlichen Spiels eine Ecke im allgemeinen Schankraum oder gar ein Kolleg zur Verfügung stellten. Denn das „unwissende“ Publikum begegnete dem zeitlos eleganten Denksport mit Ratlosigkeit, Respekt und Bewunderung.
So war es nur folgerichtig, dass 1891 (möglicherweise schon weit früher, es gibt Indizien, aber noch keinen direkten Beweis) der Friedberger Schachclub in die Öffentlichkeit trat (1947 umbenannt in „Schachfreunde Friedberg“). Er war die geistige Alternative zum damals in Deutschland sehr beliebten Turnsport. 1891er Gründungsmitglieder sind nicht überliefert. Keine schriftlichen Unterlagen sind erhalten, kein Kassenbuch. Auch im Zusammenhang mit dem ersten bekannten Umzug in 1904 sind Namen nicht genannt geworden.
1910 waren u.a. dabei Otto Weißgerber (s. unten), Botho Dieckmann, Heinrich Eberhardt, Georg Jacobi, Richard Oßwald (1880-1956, bis ca. 1928 Studienrat an der Augustiner-, später an der Aufbauschule, 1940 ausgezeichnet für 40-jährige treue Dienstleistung, er sollte somit schon vor 1900 schachlich aktiv gewesen sein), Georg Schieferstein (*1880 in Lich, hatte seine Ausbildung am Lehrerseminar Friedberg 1899 beendet, wirkte ab 1904 als Studienrat und Musiklehrer an der Augustinerschule, der Musterschule und der Höheren Mädchenschule=Schillerschule in der Burg, dort umschwärmt von den Mädchen, gab Choralunterricht auch am Prediger-Seminar, †1966). Schieferstein sowie die Brüder Hans und Heinrich Windecker (aus einer alteingesessenen Friedberger Familie und aus dem Hause „Zur Windeck“ stammend) waren schon Ende des 19. Jahrhunderts begeisterte Schachfreunde. Hatten die beiden Jungen etwas ausgefressen, wurden sie von der erzürnten Mutter frühzeitig „hoch“ ins Schlafzimmer geschickt. Dort schliefen sie jedoch nicht etwa, sondern stritten bei Kerzenlicht noch lange auf den 64 Feldern, die ihnen eine eigene Welt bedeuteten.
Mit einiger Sicherheit kombinierte ebenfalls schon vor 1900 der immer fröhliche Stadtverordnete und Mehlhändler Karl Heinrich Rausch, genannt Mehlrausch. Interessierter Schachspieler war ferner Prof. August Gebhard (*1867 in Oberingelheim, †1948 in Friedberg), ab 1900 Lehrer an der Augustinerschule. Aus seinem Besitz sind uns noch Ausgaben der „Deutschen Schachzeitung“ aus 1916 und 1917 erhalten (verwahrt in unserer Bibliothek mit heute 100 Bänden). In dieser Zeit (1916) herrschte nachts noch tiefe Stille. So tief, dass man auf der Burg bei Westwind das Wummern der Kanonen aus der Schlacht von Verdun hören konnte.
August Gebhard 1901 Georg Schieferstein 1913
Der schon genannte Oberlehrer bzw. Prof. Otto Weißgerber, geboren in Angersbach bei Lauterbach (Oberhessen), war 1908, aus Alzey kommend, zum Rektor der Höheren Mädchenschule in Friedberg ernannt worden, ein engagierter und sehr starker Schachspieler, der auch die Spieltheorie beherrschte. 1918 wurde er an die Oberrealschule in Gießen versetzt (er hatte in Gießen von 1884 bis 1890 studiert), war von 1918 bis 1930 Präsident des Gießener Schachklubs und dominierte auch dort an einem der Spitzenbretter. Auch der Zimmerermeister Heinrich (Jean) Füller (*1872) gehörte der Schachgruppe im Café Schifbenger an (s. unten), vermutlich bereits in den Lokalen zuvor. Sein Vater war ebenfalls Zimmerermeister und hieß ebenfalls Heinrich mit Vornamen. Er war 1849 geboren und hatte offenbar seinem Sohn nicht nur Vornamen und Beruf, sondern auch das Interesse am Königlichen Spiel vermacht. Denn wo sonst sollte man damals Spiele gelernt haben, wenn nicht zu Hause? Ein Klub war damals noch nichts für Kinder und Jugendliche.

Im Vereinszimmer dieses Hauses trafen sich 1891 die Mitglieder unseres Klubs.
Im März 1891 bezog der Schachclub den kleinen Vereinsraum der frisch renovierten „Restauration zur Windeck“. Gespielt wurde samstags ab 20 Uhr. Das Lokal befand sich in der Großen Klostergasse 2, einem Gebäude, das bereits 1347 urkundlich erwähnt wurde und bis März 2008 noch als Gaststätte „Zum alten Mühlrad“ diente. Nach dem Tod des Eigentümers (Herr Lißel) im März 2008 wurde das Lokal von seiner Witwe geschlossen.
Zur zeitlichen Einordnung: Um 1170 soll Kaiser Friedrich I. Barbarossa die Gründung der Burg Friedberg („Wridburc“) und wenig später auch der Stadt Friedberg veranlasst haben. Die Stadtkirche wurde 1306 geweiht. Doch schon 14-16 n.Chr. war auf dem späteren Burggelände ein römisches Militärlager entstanden.
Wo der Schachclub vorher untergebracht war, konnte (bisher) nicht ermittelt werden. In 1904 war Gastlokal das Café Heimburg (Kaiserstraße 89, Spielabend donnerstags). Der Klub muss dort recht aktiv gewesen sein, gab es doch zahlreiche Anzeigen in der Zeitung. Der „kleine Vereinsraum“ im Windeck war wohl zu eng geworden.
Am 09.07.1910 spielte der Leipziger Schachmeister Jacques Mieses (*1865) in der „westlichen Rotunde des Tennis-Cafees“ in Bad Nauheim an 26 Brettern simultan. Nach dreieinhalb Stunden hatte er 20 Partien gewonnen, 4 verloren und zweimal remisiert. „Von den 20 von Mieses besiegten Spielern war bester der Rektor Prof. Weißgerber aus Friedberg, welcher als 20. und letzter die scharf gespielte Partie aufgab“ (Bad Nauheimer Stadtanzeiger). Und am 17.07.1911 gewann Weißgerber in Bad Nauheim eine Beratungspartie gegen den langjährigen amerikanischen Meister Frank J. Marshall, zusammen mit Mr. Maggee (New York) und den Bad Nauheimer Spielern Eckert und Neiß. Am 21.07.1911 spielte Marshall im Café Ebel in Gießen 29 Partien simultan. Er gewann 25, remisierte und verlor je 2 Partien. Ein Remis erzielte Hauptmann Botho Dieckmann aus Friedberg.
Nach Einträgen im „Ranneforths Schachkalender“ (erschienen mit Lücken im Verlag Hedewigs in Leipzig zwischen 1907 und 1938) trafen sich die Vereine Friedberg und Bad Nauheim von 1910 bis 1914 zeitweise gemeinsam: Im Winter mittwochs und sonntags ab 16 Uhr im Café Trapp in Friedberg, im Sommer im Tennis-Café in Bad Nauheim. In Friedberg wurden die Spieltage geleitet von Prof. Otto Weißgerber, in Bad Nauheim vom „Redakteur“ Ludwig Wichmann.
Ab etwa 1911 spielte eine Schachgruppe von mindestens 8 Personen bis Anfang der 20er Jahre im Café Schifbenger („Intellektuellen-Café“, Kaiserstraße 90). 1915 (im 1. Weltkrieg) scheint es dort nur geringen Spielbetrieb gegeben zu haben. Dies berichtet Prof. Walther Schonebohm (Höhere Mädchenschule Friedberg), der drei Jahre lang bis zu seiner Versetzung 1918 nach Mainz dabei war. Zuvor (1910–1914) war Schonebohm Lehramtsassessor in Büdingen und leitete den Schachverein am dortigen Wolfgang-Ernst-Gymnasium. Das nächste Spiellokal bis zum 2. Weltkrieg war das Café Theis, nach Eigentumswechsel (Juli 1926) umbenannt in Café Schimanski (Bismarckstraße 32, Rudolf Schimanski stammte aus Schlesien). 1926 war dort Oberstleutnant a.D. Botho Dieckmann Vorsitzender (†1968), 1928 war es Richard Oßwald mit Schriftführer Georg Schieferstein und Kassierer Friedrich Schneider (Städtischer Gewerbelehrer, *1872). Spieltag war mittwochs um „20¼ Uhr“. Eine Partie von B. Dieckmann vom November 1930 ist abgedruckt in der Wetterauer Zeitung vom 22.09.1951, eine Blitzpartie (!) vom Februar 1954 in der Zeitung vom 18.07.1954.
Am 14. Juni 1925 wurde im Friedberger Hotel Trapp mit logistischer Unterstützung der heimischen Schachfreunde ein Wettkampf zwischen dem SK Gießen und dem SK Hanau ausgetragen. Gießen gewann mit 6:5 Punkten. Am 25. Oktober 1925 trat der Friedberger Klub in Gießen an (Café Astoria) und unterlag mit 1½ : 6½ Zählern. Das Rückspiel in Friedberg gewannen die Gießener am 27. März 1926 mit 3½:2½. Am Gießener Spitzenbrett spielte noch immer Prof. Weißgerber. Friedberger Namen sind leider nicht überliefert. Am 29. Mai 1927 wurde im Gießener Café Leib das erste Turnier des Hessischen Schachverbandes zwischen den Bezirken Oberhessen und Darmstadt-Odenwald veranstaltet. Die Oberhessen (darunter ein Friedberger, Name nicht bekannt) gewannen 5½:2½. Im Februar 1930 wurde im seit 1906 bestehenden Gasthaus „Zur Konkordia“ (des Jakob Ihl, Bismarckstraße 22) ein Wettkampf an 10 Brettern um den Aufstieg in die A-Klasse zwischen dem Arbeiterschachklub (ASK) Gießen und dem ASK Hanau ausgetragen. Das Ergebnis ist nicht überliefert, damit leider auch wieder keine Namen. Ende 1930 wurde eine Augustiner-Schach-Vereinigung gegründet (sie bestand mehrere Jahre), geleitet von den Lehrern Gebhard und Oßwald (1880-1956). Letzterer galt als der stärkste Spieler des „alten“ (= Vorkiegs-)Schachklubs. Am 13. Oktober 1932 gewann der schon 52-jährige in Bad Nauheim nach nur einer Stunde Spielzeit eine Simultanpartie gegen den deutschen und Vizeweltmeister Bogoljubov (s. unten).
Im Juni 1939 wurden im Café Schimanski im Beisein von Gauschachwart Pg. (Parteigenosse) Steul (Frankfurt) die von Kreisschachwart Dietrich(?) Konrad (Bad Nauheim) eingesetzten Ortsschachwarte der NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ (KdF) bekanntgegeben: Für Friedberg Hans Nicoley, Ober Rosbach Wilhelm Möbus, Bruchenbrücken, Wilhelm Müller, Ober Wöllstadt, Franz Odenwäller, Ossenheim, W. Hartwig, Okarben, Heinrich Eix, Nieder Florstadt, Heinrich Musch, Assenheim W., Hensel. Überall muss es Schachgruppen gegeben haben. Zu Betriebsschachwarten wurden bestimmt („bestimmt“, nicht ernannt oder gar gewählt): Bei der Stadtverwaltung Friedberg Julius Damme, beim Überlandwerk Oberhessen (heute: OVAG) Adam Popp, bei der Allgemeinen Ortskrankenkasse Adam Gondolf, bei der Bahnmeisterei Georg Gonther, bei Fertsch + Co. A. Mauer, beim Mathildenstift Friedberg (heute: Sparkasse Oberhessen) Georg Siebert, bei Firma Peter Krausgrill Sofie Marinoni, bei der Aktienzuckerfabrik Wetterau K. Gerth, beim Finanzamt Friedberg Klemens Pohl und bei der Lackfabrik Rosbach Heinrich Reichert. Es darf als sicher gelten, dass die aus diesen Firmen/Behörden genannten Schachfreunde zumindest zum Teil Mitglieder des Friedberger Schachklubs waren.
Der Friedberger „Schachlehrer und -meister“ Walter de Monte (1912-1990) verstärkte 1938 mit seiner Teilnahme viermal eine Mannschaft des SV Bad Nauheim bei Wettkämpfen. Im Rahmen der Friedberger NS-Schachgemeinschaft spielte der 27-jährige am 26. August 1939 – fünf Tage vor Ausbruch des 2. Weltkriegs – im Café Schimanski erstmals „offiziell“ simultan. Innerhalb von zweieinhalb Stunden hatte er alle 14 Partien gewonnen.
Im November 1940 wurde von dieser NS-Schachgemeinschaft Friedberg ein Turnier mit 12 Schachfreunden aus Friedberg und Bad Nauheim ausgerichtet. Sieger und damit „Friedberger Kriegs-Schachmeister 1940“ wurde der talentierte Nachwuchsspieler Jüdermann, Gastspieler beim SV Bad Nauheim, vor Gottfried Rasser (Friedberg). Das Nachsehen hatten so bekannte Spieler wie Dr. Offergeld, Pokalsieger Murphy und Stadtmeister Rogoschin (alle Bad Nauheim). Die als Teilnehmer angekündigten „führenden“ Friedberger Spieler Richard Oßwald, Georg Schab (Studienrat an der Hessischen Aufbauschule) und Georg Schieferstein traten nicht an. Walter de Monte befand sich an der Front.
Gleich im Anschluss an dieses Turnier nahmen 15 Friedberger die Spiele um die Klubmeisterschaft der NS-Schachgemeinschaft auf. Sie endeten im März 1941 mit dem Sieg von Franz Sieger mit 13,5 Punkten vor Adam Popp mit 13 und Rasser mit 11,5 Punkten. Anlässlich eines kurzen Fronturlaubs im Februar 1941 spielte Walter de Monte gegen 7 der Turnierteilnehmer simultan und gewann alle Partien. – Die von Ortsschachwart Nicoley im März 1941, Februar und noch einmal im Oktober 1942 angekündigten Wettkämpfe mit Mannschaften aus Bad Nauheim und Bad Homburg wurden wegen der sich ab Juni 1942 dramatisch verschärfenden Kriegsverhältnisse (zunehmende Einberufungen, Lebensmittel- und Bekleidungsrationierung, Kriegseintritt Japans auf „großdeutscher“ und der USA auf alliierter Seite, im August 1942 erstürmte die Wehrmacht die Wolga bei Stalingrad) nicht mehr ausgetragen.
Während des weiteren Kriegsverlaufs (Friedberg war ab 1944 28 Luftangriffen ausgesetzt, zuletzt zweimal im März 1945) wurden die Treffen zeitweilig unterbrochen, aber nie ganz eingestellt. 1947 waren bei der „offiziellen“ Wiederaufnahme des Spielbetriebs die obengenannten 1910er Mitglieder Botho Dieckmann, Heinrich Eberhardt, Georg Jacobi, Richard Oßwald und Georg Schieferstein noch dabei.
Nun erst wurden Überlegungen angestellt, seit wann denn in Friedberg klubmäßig Schach gespielt werde. Da es kaum schriftliche Aufzeichnungen gab (verschollen oder verbrannt, das Haus Bindernagel, Kaiserstraße 72 als Herausgeber der alten Oberhessischen Zeitung mit Belegen, ist im 20. Jahrhundert drei Mal ausgebrannt, das letzte Mal im 2. Weltkrieg), die älteren Mitglieder aber ganz sicher von einem Spielbetrieb schon lange vor dem 1. Weltkrieg wussten, einigte man sich auf 1910 als Gründungsjahr und unterzeichnete 1952 ein Nachgründungsdiplom. Von dieser im Sinne einer Chronik ungenauen Konstruktion erfuhr ich, obwohl Mitglied seit 1978, erst 1998 und eher zufällig. Da das Friedberger Stadtarchiv seit einigen Jahren gut ausgestattet war, begann ich Mitte 1999 dort zu recherchieren. Mit den beschriebenen, in Anbetracht des Zeitablaufs bescheidenen Ansätzen war ich (Stand Juni 2000) natürlich nicht zufrieden, sie sind jedoch ausreichend für den Nachweis einer Kontinuität seit mindestens 1891.
1947, in einer Zeit des Mangels (die Umstellung von Reichsmark in D-Mark = Währungsreform fand im Juni 1948 statt) wurde im Keglerheim, „beim Landeck“, gespielt (Gaststätte in der Weedgasse 3). Im Winter musste man noch Briketts mitbringen. Weitere Stationen waren das Gasthaus Ihl (bis 1951, Bismarckstraße 22), ab Oktober 1951 das Hinterzimmer im Café Ripper (Kaiserstraße 14), das 1957 samt Materialschrank des Vereins abbrannte, kurzfristig das Casino Suchsland (Ludwigstraße 16), danach das Weinhaus Röder (Hanauer Straße 6), der Gasthof „Zum Taunus“ (Frankfurter Straße 2) und das Hotel Trapp (Kaiserstraße 84). Allgemeine Raumnot für die vielen Vereine in Friedberg mag eine der Ursachen für den häufigen Umzüge der Schachspieler gewesen sein wie auch für die geringe öffentliche Aktivität.
Ein von Vereinen und Privatpersonen getragenes Vereins- und Versammlungshaus bzw. eine damals schon so genannte „Stadthalle“ war, um dem Mangel an Sälen in der Stadt abzuhelfen, bereits 1924 geplant. Es war auch dringend nötig, gab es doch (1921) in der Kleinstadt Friedberg (etwa 10.600 Einwohner) über 120 registrierte Vereine! Darunter beruflich orientierte, Sport- Turn- und Kegelvereine, die teils sehr alten Gesangs-, Musik- und Kunstvereine (der Singverein, später Liederkranz genannt, wurde 1835 als erster Verein Friedbergs gegründet), patriotische, politische und Militärvereine (darunter der „Kavallerie- und Trainverein“), 8 studentische Vereinigungen sowie die ebenfalls im 19. Jahrhundert gegründeten „Taunusklub Wetterau“ (Wanderverein) und „Rauchklub Blaue Wolke“. Die Halle konnte jedoch aus finanziellen Gründen (Folgen der Hyperinflation: 01.06.1922 1 US$ = 272 Mark, 01.12.1922 = 7200 Mark, 01.06.1923 = 70000 Mark, 01.10.1923 = 345 Mio. Mark, 26.11.1923 = Höchststand = 4200 Mrd. Mark, 10.01.1924 = 4,20 Goldmark = Rentenmark = kurz darauf Reichsmark) nicht gebaut werden. Das geschah erst ein halbes Jahrhundert später auf allein kommunaler Basis.
Nach dann zügigen Verhandlungen des Vereinskameraden Dr. Bernhard Riepenhausen (Rechtsanwalt aus Bad Nauheim) mit dem Magistrat erfolgte am 11. September 1976 der Umzug der Denksportler in den „Vielphonraum“ (heute: „Studio“) der neuen Stadthalle (Am Seebach 2), die ruhige und im Sommer angenehm kühle Heimstatt bis heute. Unter den derzeitigen (ab 2006) allgemeinen Finanzzwängen soll die städtische Stadthalle an Privat verpachtet oder gar verkauft werden. Was sich daraus für die in ihr tätigen Vereine ergibt, kann derzeit noch nicht abgeschätzt werden.
In dieser Stadthalle versammeln sich seit 1976 an jedem Samstagnachmittag die Schachfreunde zum Regelschach, Blitz-, Schnell- und Tandemschach, sie trainieren, analysieren Wettkampfpartien, bewerten Partiestellungen, spielen kleine Turniere aus, unterhalten sich. Das noch bis Mitte der 50er Jahre im Anschluss ans Schach gepflegte Skatspiel („Skatbruderschaft Friedberg“ im Café Ripper) ist vollständig entfallen. Auch die Mannschaftskämpfe und Vereinsturniere werden im Studio und ggf. benachbarten Konferenzraum ausgetragen. Mitglieder und Gelegenheitsspieler genießen die prickelnden Situationen auf den 64 Feldern. Brettstrategen erörtern hitzig die Drachenvariante in der Sizilianischen Verteidigung und das Wolga-Gambit, weisen dem Weltmeister (bis 2000) Kasparov Mängel im Endspiel nach, laufen in eine Springergabel und würzen das Ganze mit bedeutsamen Weisheiten wie „Versäume nie ein Schach, es könnte Matt sein“, oder – alte Bauernweisheit – „Dieser Bauer ist eine potenzielle Dame“, oder „Dieser Zug ist genial, er könnte von mir sein“, oder (die in einer Trainingspartie am häufigsten vorkommende Fachvokabel) „ach sooo!“. Auch der coole Nachweis einer gewissen Polyglottheit gehört heute dazu, wenn man die Frage, ob der gerade besiegte Gegner wirklich so stark war, lässig mit „and how!“ beantworten kann. Oder es schimpfte (Februar 2002) Gastspielerin Friedel Niephaus (Bad Nauheim) verzweifelt: Immer, wenn ich gegen den Wolfgang Hoffmann spiele, habe ich ein, zwei Bauern weniger. Dazu Vereinsleiter Robert: Der ist dafür bekannt! Vor Partiebeginn sollte man seine Bauern immer noch mal nachzählen. – Dazwischen entrüstete Ausrufe von Patzern und das schachtypische Haarezwirbeln (soweit Haare vorhanden) als Ausdruck intensiven Nachdenkens.
Hier zwei überraschende Ergebnisse dieses intensiven Nachdenkens. Wolfgang Grimme (1998): „Übers Internet habe ich herausgefunden, dass ich unter rund 140000 in Deutschland DWZ-registrierten Schachspielern (Anmerkung im März 2000: davon 95000 Mitglieder im Deutschen Schachbund, Tendenz fallend, am 01.01.2002 waren es 92617 Mitglieder, darunter 5546 weiblich) Rang 60199 belege. Mich also klar in der besseren Hälfte befinde.“ (Hier noch zum Vergleich: Der „Groß“deutsche Schachbund hatte 1934 rd. 50000 eingetragene Mitglieder, 1936 nur noch 30000, der Aufschwung kam in den 50er Jahren.).
Und der Verfasser dieser Kurzchronik: „Von 1975 bis 1980 arbeitete ich in Moskau. Unbestrittener und wegen seiner Dominanz unheimlicher Schachweltmeister war damals der Russe Anatoli Karpov. Und allgegenwärtig und allwissend zu jener Zeit der sowjetische Geheimdienst KGB. Auch Karpov musste wegen seiner Auslandskontakte mit ihm zusammen arbeiten, er wusste daher von meiner Anwesenheit und bärigen Spielstärke. Außerdem hatten wir uns 1977 bei der Schach-Europameisterschaft in Moskau getroffen, als ich die (west)deutsche Mannschaft mit betreute. Aber all die fünf Jahre traute er sich nicht, mich herauszufordern. Warum wohl? Richtig! Angst machen Beine. Seitdem also durfte ich als heimlicher Weltmeister gelten. Und spielte grundsätzlich gegen keinen mehr mit einer ELO-Zahl unter 3000. Ausnahmen sind Gnadenerweise. – Zweifler (sie gibt’s halt immer) hakten nach, ob unter ‚bärig’ noch was anderes als tapsig zu verstehen sei. Diese Frage fand ich ungehörig und ließ sie unbeantwortet.“
Ein zweiter Trainingstag (Dienstagabend) war im Dezember 1998 erstmals seit den 40er und 60er Jahren wieder eingerichtet worden für diejenigen, die samstags andere Verpflichtungen haben oder aber mehr spielen wollten. Mangels ausreichenden Zuspruchs wurde dieser Abend im Dezember 2000 jedoch wieder gestrichen.
Am 25.01.1998 wurde im Tagebuch der 4.404. Spieltag seit 1910 registriert. 29 Aktive waren anwesend. Die Stadthalle war durch einen Kirchentag komplett ausgebucht. Weil auch das „Studio“ vermietet war, stellte das Hotel den Denksportlern sein hübsches, nur noch gelegentlich benötigtes „Hemingway“-Untergrund-Restaurant zur Verfügung. Zwei Mannschaften der Schachfreunde spielten gegen auswärtige Gäste, eine dritte trat in Ffm-Oberrad an. Vor Spielbeginn wurde Ulrich Menken für den erneuten Gewinn des Vereinsturniers mit der Übergabe des Wanderpokals ausgezeichnet.
Und eine kleine Ergänzung: Am 21.02.2010 zählte man den 6.413. Spieltag. Zwei Mannschaften (Landesklasse-Ost und Kreisklasse) hatten Heimspiel, eine Mannschaft (Kreisliga) spielte auswärts
Unsere schachlichen Vorfahren kamen überwiegend aus der Kreisstadt Friedberg und aus der näheren Umgebung. Vor dem Krieg bestanden kurzzeitig weitere Vereine in Nieder Florstadt (1930 als Arbeiter-Schachklub, 1939 als NS-Schachgemeinschaft), in Ober Rosbach und Wölfersheim (noch 1949-1954, Vorsitzender Franz Fritsch, Vereinslokal Ligon, später Vorsitzender Voigt und Spiellokal Haubner; am 06.05.1951 unterlag der Klub in einem Freundschafts-Heimspiel dem SK Gießen mit 5:8). Der Büdinger Klub trat 1936 erstmals in Erscheinung (im „Fürstenhof“ bzw. Lokal Zipf). Am 02. Juli 1949 gewann dort der SK Gießen mit 7:1 (die Namen der Mitwirkenden beider Mannschaften sind bekannt). In Ober Rosbach war der Verein 1939 als NS-Schachgemeinschaft gegründet worden (Ortsschachlehrer Gunkel) und noch bis mindestens 1954 aktiv. In (seit?) 1949 gab es in Bad Vilbel einen Schachklub, erneut nachgewiesen in 1958. In Butzbach wurde ab etwa 1950 bis Ende der 60er Jahre Schach gespielt (schon für 1897 ist ein Schachleben nachweisbar, und im September 1909 kämpfte Fräulein Göckel aus Butzbach tapfer gegen den Leipziger Schachmeister Jacques Mieses „im oberen Saal“ des Kurhauses von Bad Nauheim). In Melbach bestand 1951 eine Schachabteilung in der KSG. Aus der Nachbarstadt Bad Nauheim hatte 1894 ein „R.B.“ Schriftverkehr mit der deutschen Schachzeitung in Berlin. Der Schachverein wurde 1910 mit tatkräftiger Unterstützung („Sponsoring“) der Kurverwaltung gegründet. Er bestand nachweislich bis April 1953 und wurde 1980 als Schachclub wieder eingerichtet. Zahlreiche Kur und Dauergäste widmeten sich dort den Freuden der Schachmuse Caissa, so mehrmals der in Deutschland eingebürgerte russische Weltkriegsinternierte, gutmütige und stets humorvolle Schachromantiker Efim Dimitrowitsch Bogoljubow, †1952 im Alter von 65 Jahren, Vizeweltmeister von 1929 und 1934, deutscher Meister in den Jahren 1931 und 1933 sowie (gesamt)deutscher Meister von 1949. Seine ELO-Zahl wurde nachträglich mit 2610 errechnet (Berufsschach-Weltmeister Kasparov fünfzig Jahre später: 2841 ELO).
Die Schachfreunde erlebten Höhen und Tiefen, abhängig wie bei jedem anderen Verein auch von einer mehr oder minder guten Organisation. Die Denksportler gehörten immer einem Freizeitsportverein an, offen auch für Gelegenheitsspieler. Wer sich aber am Brett nicht nur entspannen, sondern vorankommen will, kann durch regelmäßiges Training mit möglichst starken Partnern – daher besonders im Verein – seine Fähigkeiten steigern bis hin zur Teilnahme an Mannschafts- und sonstigen Turnieren und sich so entfalten. Ein Mannschaftssieg ist immer ein Grund zur Freude, egal, in welcher Liga. Einen Ausbau oder auch überzogenen Ehrgeiz um jeden Preis, ich denke hier nicht nur an den finanziellen, lehnen wir ab. Die Schachfreunde Friedberg wollen noch immer eine Art familiären und geistigen Rahmen und Treffpunkt für Gleichgesinnte und Gleichberechtigte aus Friedberg und Umgebung bieten. Ein durchaus offener Rahmen, denn über alle Aktivitäten wird die Öffentlichkeit durch E-Post-Berichte an Zeitungen informiert, die in Friedberg und Umgebung am meisten gelesen werden. Die Erfolgreichen werden herausgestellt.
1948 endete auch für unsere Hobbysportler das Dasein allein im stillen Klubbereich und es begann mit Elan die schachliche Neuzeit. Im Oktober 1948 spielte Walter de Monte wieder simultan gegen 20 Schachfreunde, darunter die stärksten Mitglieder des Vereins. In dem vierstündigen Wettkampf gewann er 11 Partien, 2 endeten remis und 7 gingen verloren! Die ersten Mannschaftswettkämpfe wurden vereinbart, am 21. August 1949 beim SK Gießen ein gutes 5½:5½ erzielt, am 27. November 1949 gegen den SV Bad Nauheim mit 5½:8½ verloren, am 4. Juni 1950 gegen den Schachverein Butzbach knapp mit 27:23 (!) gewonnen. Es handelte sich um ein Super-Blitzturnier mit je 10 Spielern auf beiden Seiten. Am 24. Juni 1951 wurde ein Turnier in Rosbach mit 10:2 gewonnen. Von 1947 bis 1951 wurden 15 Mannschaftswettkämpfe (Freundschaftsspiele) ausgetragen. Davon konnten 9 gewonnen werden, je 3 gingen unentschieden aus bzw. verloren. Wenn bei einem Auswärtsspiel öffentliche Verkehrsmittel nicht weiterhalfen – die private Motorisierung begann ganz allmählich, der Mittelklassewagen Opel Olympia hatte 37 PS bei 1,5 Liter Hubraum –, wurde auch schon mal ein offener Lkw angeheuert. Im Oktober 1949 spielte Schachmeister Brinkmann (Kiel) im Gasthaus Ihl simultan an 21 Brettern. Er gewann 12 Partien und verlor 5 (gegen Josef „Jupp“ Feuser, Walter de Monte, Karl Goldberg, Prof. Dr. Engelhard Niemann, der Eröffnungstheoretiker des Vereins, und Gastspieler Alfred Düsterhöft). 4 Spiele endeten unentschieden.
Von Ende der 40er bis in die 60er Jahre wurden häufig Oster- und Weihnachtsblitzturniere veranstaltet und zwar auch an den Feiertagen selbst. Das Turnier vom 27.12.1964 gewann Horst Walter vor Roland Arbinger und Peter Plaumann. Seit mehreren Jahren wird ein Neujahrsblitzturnier am ersten Samstag des neuen Jahres ausgetragen. Am 07. Januar 2006 beteiligten sich 27 Personen, darunter eine 6-köpfige Schülergruppe.
Große Verdienste hat sich Botho Dieckmann als langjähriger Vereinsleiter schon vor dem 2. Weltkrieg erworben. Er war selbst ein guter Schachspieler und gewann z.B. im November 1930 in Hamburg eine Partie (Simultanpartie?) gegen den US-Meister Herman Steiner. 1951 schuf er wieder (wie schon 1930 und 1931 an der Augustinerschule) Schach-Jugendgruppen an der Augustiner-, Schiller- und Aufbauschule. Insgesamt 35 Schüler, darunter 5 Mädchen, fühlten sich dank seiner umsichtigen Betreuung und der der Studienräte im Verein zu dem elitären Denksport hingezogen. Mit einer namhaften Spende konnte das erforderliche Spielmaterial zur Verfügung gestellt werden. 1952 wurde eine Friedberger Schach-Jugendmeisterschaft mit 22 Teilnehmern ausgetragen (14 Augustinerschüler, 5 Aufbauschüler, 2 Mädchen aus der Schillerschule und 1 Lehrling). Es siegte Eberhard Ley mit 6½ Punkten aus 7 Partien (Schweizer System) vor Hans-Günther Lintz, Eliseit, Mildenberger und Horst Walter mit je 5 Punkten. Das anschließende Blitzturnier gewann bei 16 Teilnehmern Lintz mit 7 Punkten aus 7 Runden vor Peter Plaumann (6 Punkte). Im weiteren Jugendturnier von 1952 belegte Eberhard Ley den 1. Platz vor Horst Walter, 1953 war es umgekehrt. – Auf Grund der guten Jugendarbeit hatte der Verein in den 50er Jahren rd. 60 Mitglieder.
1951 wurde unser Klub Mitglied im Hessischen Schachverband. Diesem gehörten damals 120 Vereine mit rd. 6.000 Spielern an. Nach erfolgreichen Stichkämpfen mit den Schachvereinen Frankfurt 1921 und Kronberg wurden die Schachfreunde antragsgemäß statt zu einer der beiden Kreisklassen direkt zur Bezirksklasse zugelassen. In dieser spielten damals auch noch so große und starke Vereine wie Sfr. Frankfurt, SVg. Offenbach, SK Bad Homburg. 1954 errangen die Schachfreunde die Meisterschaft in dieser Bezirksklasse. In den Aufstiegsspielen zur Landesklasse, der damals höchsten Spielklasse in Hessen, wurden die Mitbewerber Darmstadt-Eberstadt und Ffm-Dörnigheim mit je 4½:3½ besiegt. Die Stammspieler der Siegermannschaft waren: Josef Feuser (langjähriger Turnierleiter), Maxheinz Balser (Student), Helmut Suchsland (Student), Hans de Monte, Walter de Monte, Botho Dieckmann, Karl Goldberg (langjähriger Vorsitzender), Dr. Walter Pfeffer (Rechtsanwalt und Notar aus Bad Nauheim).

1954 im Café Ripper
stehend von links: Josef Feuser, Maxheinz Balser, Helmut Suchsland, Hans de Monte
sitzend von links: Walter de Monte, Botho Dieckmann, Karl Goldberg, Dr. Walter Pfeffer
Die Erfolge sind ferner verbunden mit Namen wie die Brüder Peter und Gerhard Plaumann, Hans Ritter, Franz Pfarr (lange Kassenwart), Helmut Mück (Vorsitzender von 1955 bis 1958), Adalbert Kutyma aus Ober Mörlen, seit 1952 dabei, heute „dienstältestes“ und Ehren-Mitglied.
(Unvollständiger) Endstand der Bezirksklasse Frankfurt vom 14.02.1954:
1. Sfr. Friedberg 7 : 1 MP 41:23 BP
2. SV Eisenbahn Ffm 3 ½ : 1 ½
3. Sfr. Frankfurt 3 ½ : 2 ½
4. Weiß-Blau Ffm 2 ½ : 2 ½
5. SV Bonames 1947 2 ½ : 2 ½
6. SVg. Offenbach 2 : 3
7. SV Ffm-Eckenheim 2 : 3
8. Mühlheim 2 : 4
9. SV Neu-Isenburg 1 : 5
Die Mannschaft belegte in der darauf folgenden Saison in der Landesklasse den vierten Tabellenplatz. Dr. Pfeffer blieb mit 9 Punkten aus 10 Partien (zwei endeten remis) ungeschlagen und war erfolgreichster Spieler an Brett 1.
Bis Ende der 50er Jahre gewannen die Vereins- und Friedberger Stadtmeisterschaften B. Dieckmann (vor 1948), W. de Monte (1948, 1951, 1952), J. Feuser (1949 mit 5½ Punkten aus 7 Partien vor K. Goldberg, B. Dieckmann und Vinzens Nowak), H. Suchsland (1950, 1957, 1958, 1959), E. Niemann (1953), K. Goldberg (1954), Peter Plaumann (1955), Horst Walter (1956). Der von Vereinsmitgliedern gestiftete schöne „Meisterpokal“ aus diesen Zeiten befindet sich noch heute bei Dr. Suchsland. Er wurde von dem Maler und Graphiker O.F. Kutscher, Bad Nauheim, entworfen und vom Kunstdrechsler Walter Stenzel (Kleine Köhlergasse 6, Friedberg) hergestellt. Der Pokal ist aus edlen Hölzern gefertigt (Ahorn, Ebenholz, Pflaumenbaum). Auf der Unterseite des Deckels sind auf einer Silberplatte die Namen der Vereinsmeister und des endgültigen Gewinners (Suchsland) festgehalten.
Suchsland wurde 1951 Dritter (von 16) im Hauptturnier der hessischen Schachmeisterschaften in Steinheim, 1952 in Frankfurt ebenfalls Dritter, jedoch bei 60 Teilnehmern (zum Vergleich: Im Hauptturnier des Jahres 2000 in Frankfurt – in der FTG-Turnhalle – spielten 201 Schachfreunde in 6 Gruppen). Eine Suchsland-Partie aus dem Turnier 1952 mit Kommentar von B. Dieckmann ist abgedruckt in der Wetterauer Zeitung vom 30.05.1952 (Pfingsten). Horst Walter gewann 1956 beim hessischen Schachkongress in Bad Kreuznach das Hauptturnier (50 Teilnehmer). Peter Plaumann wurde in seiner 10er-Gruppe Zweiter, Gerhard Plaumann Vierter. 1958 wurde Horst Walter Unterverbands-Einzelmeister, 1959 Zweiter der Frankfurter Stadtmeisterschaft nach Verlust eines Stichkampfes gegen Kunert. Dr. Pfeffer gewann 1953 in Fulda das hessische Ausscheidungsturnier zur Teilnahme an der deutschen Meisterschaft, zuvor war er dreimal Bad Nauheimer Stadtmeister. 1957 wurde der Kaufmann i.R. und ehemalige 2. Vorsitzende Hermann Schirrmann (1883-1963) für seinen langjährigen Einsatz im Verein zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Ein weiteres Ehrenmitglied gibt es erst im Juni 2002 mit Adalbert Kutyma für 50-Jährige treue Mitgliedschaft.
Malermeister Walter de Monte, „nebenbei“ auch ein weithin anerkannter Kunstmaler und Guppy-Züchter, hatte besondere Erfolge zu verzeichnen: Selbst ein begeisterter aktiver Simultanspieler (s. oben), trotzte er in einer Simultanveranstaltung am 16. April 1937 in Bad Nauheim dem schon genannten Russendeutschen Bogoljubow ein Remis ab und besiegte im April 1955 zusammen mit Horst Walter den Großmeister Dr. Max Euwe (Weltmeister 1935-1937).
Es gab auch Veranstaltungen außerhalb der normalen Schachtreffen. Im Juli 1951 unternahm man einen Familienausflug zum Edersee mit Stationen in Marburg, Frankenberg und Waldeck. Im Mai 1960 nahmen die Schachfreunde eine Einladung des Schachklubs Nancy an und siegten an 10 Brettern überraschend klar mit 7 ½:2½ Zählern. Die Reise war für die Wetterauer ein großartiges Erlebnis. Es gewannen Suchsland, Walter de Monte, Gerhard Plaumann, Pfarr, Balser, Rudolf Egli (Sozialgerichtsrat), Herbert Voigt. Peter Plaumann remisierte. Im Juni 1982 hatte Joachim Gries, 1984 Axel Arbinger (†01.11.2001 im Alter von 47 Jahren) zu Grillfesten eingeladen. Im Juli 2000 veranstaltete Harald Jediss für die Friedberger und Hochheimer Schachfreunde ein gemeinsames lustiges Garten-Schachfest mit kurzen Regenschauern in Neu-Anspach. Im Juli 1999 fuhr man zu einer fröhlichen abendlichen Gartenfeier bei Jürgen Moldenhauer nach Heidelberg, übernachtete dort und besichtigte unter seiner Führung die Stadt. Unter sommerlichen Bäumen hatte das gemeinsame Turnier mit dem Bundesligaverein Heidelberg-Kirchheim einen besonderen Reiz. Und im August 2000 traf man sich wieder zu Grill, Bar und Brettern bei Harald Jediss mit Spielern des SV Hochheim, des Senioren-Schachkreises Neu-Anspach und englischen Betriebssportlern. Das allfällige Blitzturnier mit 20 Teilnehmern gewann in der Endrunde Damian Krzizok souverän mit 9 Punkten aus 9 Partien. Im Juni 2001 und Juni 2002 wurden die Jahresversammlungen der Schachfreunde im Lokal „Zum alten Mühlrad“ abgehalten – in Erinnerung an 1891, als das Lokal „Zur Windeck“ hieß und der Friedberger Schachklub dort erstmals an die Öffentlichkeit trat. Nach dem offiziellen Teil und dem obligatorischen Blitzturnier folgte ein gemütliches Abendessen mit Damen.
Ab etwa 1960 gab es auch an der Blindenschule in Friedberg zeitweilig eine Schachgruppe. Sie veranstaltete 1961 mit materieller Unterstützung der Schachfreunde die hessische Blindenschach-Meisterschaft. Die Viererformation dieser Schachgruppe spielte gegen Gastmannschaften aus Marburg, Frankfurt, Offenbach, Darmstadt und Mainz. Insgesamt waren 7 Mannschaften am Start. Es gewann zum 3. Mal die Blindenschachgruppe Marburg.
In den 60er Jahren wurde der Generationenwechsel besonders spürbar. Die Vorkriegsgeneration schied allmählich aus. Das Vereinsturnier 1964/65 und damit den Wanderpokal gewann Roland Arbinger, *1948, viele Jahre Vorsitzender und Turnierleiter, bis heute in Gießens Oberliga-Mannschaft aktiv. Er ist immer noch Mitglied bei den Schachfreunden. 1966/67 hieß der Sieger Walter Feuser (Sohn des obengenannten Josef Feuser, ebenfalls *1948), 1968/69 Philipp Alt (Nieder Florstadt, viele Jahre Kassenwart) und Walter Feuser (es gab 2 Sieger). Die Friedberger Stadtmeisterschaft wurde 1968/69 gewonnen von Hans-Joachim Hermann vor Arno Geismar (Echzell) und Kutyma. 1963 und 1964 konnte keine Mannschaft gestellt werden.1965 war sie wieder da mit Roland Arbinger, Klaus Christ, Peter Plaumann, Philipp Alt, Gerhard Plaumann, Hans Weber, Helmut Vierhub und Walter Feuser. Ferner wirkten mit Wolfgang Ley, Mendel und Geismar. Sie schaffte sogleich wieder den Aufstieg in die Bezirksklasse.
Endstand der Kreisklasse-Nord am 09.01.1966:
1. Sfr. Friedberg 10 : 0 MP 34½ BP
2. SC Eschbach 6 : 4 23½
3. SV Bonames 1947 6 : 4 16
4. SK Bad Homburg III 5 : 5 19
5. Sfr. Bad Vilbel 2 : 8 16½
6. SV Oberursel II 1 : 9 10½
Im Juli 1964 errang die Jugendmannschaft unseres Unterverbandes mit Roland Arbinger die Hessenmeisterschaft. Mit der hessischen Jugendauswahl wurde er im Dezember 1966 in Würzburg sogar deutscher Meister, der einzige in der Vereinsgeschichte. Im Juni 1965 gab es zwei Freundschaftsspiele mit dem starken Frankfurter Verein „Königsspringer“ (später Bundesliga), an dessen Spitzenbrett der ehemalige Friedberger Horst Walter. Die Frankfurter gewannen 4½:1½ und 4:2.
Eine wieder andere Zusammensetzung wies der Verein in den 70er Jahren auf (1970 gab es in den Kaufhäusern die ersten elektronischen Taschenrechner zum Preis von 99 DM). 1972 wurden die Schachfreunde Meister der Bezirksklasse, 1973 Meister der Unterverbandsklasse. 1975/76 spielten in der 1. Mannschaft (Landesklasse) Manfred Gräfe (Bad Nauheim), Walter Feuser, Dr. Roland Arbinger, Hans-Joachim Hermann, Joachim Räuber, Philipp Alt, Axel Arbinger (1971 Jugendmeister des Schachbezirks Frankfurt), Erwin Wied, Joachim Gries (Bad Nauheim), Volker Gries (Bad Nauheim), Dr. Bernhard Riepenhausen und Jalil Bhuiya. Die 2. Mannschaft trat in der Bezirksklasse an mit Walter de Monte, Volker Gries, Erwin Wied, Adalbert Kutyma, Burkhard Frank (Butzbach), Jalil Bhuiya, Bernhard Hierholzer und Hubert Schlottner. 1976 gewannen die Schachfreunde die Blitz-Mannschaftsmeisterschaft des Unterverbandes. 1975 wurde das Vereinsturnier gewonnen von Walter Feuser vor Hermann, 1977 siegte Dr. Roland Arbinger vor Hierholzer. Vorsitzender des Vereins war nach Geismar (1969-1973) Dr. Roland Arbinger bis 1977. Ihm folgte sein Bruder Axel Arbinger (1954-2001) bis 1984 und von 1988 bis Ende 1998. Dazwischen hatten die Leitung Burkhard Frank 1984-1987 und Axel Gabe 1987-1988, danach Ulrich Kretner (1998-2000), Ulrich Menken (2000-2001, umzugsbedingtes Ausscheiden), Otto Vollmers (seit März 2001).
Ab 1977 veranstaltete die Kreissparkasse Friedberg (damalige Bezeichnung) mehrere Jahre lang ein „Jedermanns Schachturnier“ im Ko-System. An ihm konnte jeder ab einem Alter von 16 Jahren teilnehmen, ausgenommen die aktiven Mannschaftsspieler der Schachfreunde Friedberg, die jedoch die Turnierleitung übernommen hatten (insbesondere Ulrich Kretner). 1979 gewann Nedjeljko BuŠić vor Frau Friedel Niephaus (beide Bad Nauheim). Im Februar 2000 zeigte sich ein Vorstandsmitglied der jetzt Sparkasse Wetterau interessiert, im Jahr darauf wieder zu einem Turnier aufzurufen. Für dieses Jahr seien alle – geschrumpften – Öffentlichkeitsmittel bereits verplant. Offenbar auch danach (Stand Juni 2002). Wir warten (seit März 2006).
Das einzig Beständige im Leben ist der Wechsel. 1980 gelang den Schachfreunden für ein Jahr der Aufstieg in die Oberliga, in der bereits Internationale Meister mitwirken, aber auch schon weite und für einen kleinen Freizeitverein teure Fahrten erforderlich sind. Eine hervorragende Leistung unserer Amateur-(Freizeit-)spieler. Folgende Spieler waren in der 1. Mannschaft eingesetzt: Dr. Roland Arbinger, Walter Feuser, Volker Gries, Manfred Gräfe, Axel Arbinger, Jalil Bhuiya, Burkhard Frank, Dr. Bernhard Riepenhausen, Robert Biedeköpper (Bad Nauheim), Axel Gabe (Bad Nauheim), Frank Belz (Bad Nauheim). Die 2. Mannschaft (Bezirksklasse A) vertraten Kurt Kreische (Reichelsheim), Manfred Pilgenröther (Echzell, 1937-1997), Axel Gabe, Philipp Alt, Frank Belz, Ulrich Kretner (Bad Nauheim), Gerald Holzschuh (Bad Nauheim), Michael Renelt (Bad Nauheim), Dirk Schäfer (Assenheim), Theo Will (Staden), Heino Robert (Bruchenbrücken), Stefan Thomas (Bad Nauheim), Vazgen Shahnazarian, Harald Maiwald (Ober Wöllstadt) und Roland Kandziora (Klein Karben). Die B-Jugendspieler (Jahrgänge 1964-66) Belz, Holzschuh, Renelt und Schäfer wurden Unterverbands-Jugendmannschaftsmeister.
Endstand der Oberliga Hessen am 29.03.1981:
1. SV Rüsselsheim 14 : 4 MP 45 BP
2. SG Bensheim 13 : 5 40 ½
3. „Schott“ Mainz II 12 : 6 40
4. Caissa Kassel 12 : 6 39
5. SK Marburg 10 : 8 39
6. TEC Darmstadt 8 : 10 38 ½
7. SG Nordwest Ffm 7 : 11 33 ½
8. Sfr. Friedberg 6 : 12 31
9. SV Hofheim II 4 : 14 28 ½
10. SC Gelnhausen 4 : 14 25
Nach seinem Wegzug aus Friedberg spielte Dr. Roland Arbinger von 1981 bis 1983 und 1985 bis 1988 in der 2. Bundesliga für die Vereine Neustadt/Weinstraße und Gießen.
Mehrfach wurden die Schachfreunde Meister der Landesklasse, zuletzt 1987. In den Ausscheidungswettkämpfen um den erneuten Vorstoß in die Oberliga unterlagen die Kreisstädter nur knapp Blaugelb Darmstadt. 1987 wurden die Schachfreunde in der Besetzung Frank, W. Feuser, Gräfe und Gabe Pokalsieger im Unterverband Frankfurt vor so starken Vereinen wie Frankfurter Schachfreunde, FTG Frankfurt, VSG Offenbach. Der Wanderpokal mit den vielen interessanten Eingravierungen früherer Gewinner befindet sich seitdem in Friedberg. Das Vereinsturnier 1987 gewann Stefan Hornung (Bruchenbrücken) vor Frank und Gabe. Eigentlicher „Sieger“ war kurio-serweise ein starker Rechner, der auch von den Landesklassespielern unterschätzt worden war. Volker Gries war lange Jahre Ausbildungs- und Turnierleiter. Nach seinem Wegzug aus Friedberg schloß er sich vorübergehend dem SV Schöneck an. Mit deren erster Mannschaft erkämpfte er 1990 den Aufstieg in die 2. Bundesliga.
Stadthalle 1985, von links:
Jalil Bhuiya, Axel Gabe, Burkhard Frank, Walter Feuser,
Robert Biedeköpper, Manfred Gräfe, Frank Belz, Volker Gries

Stadthalle 1985 von hinten stehend: Andreas Faatz, Dirk Schäfer, Jürgen Moldenhauer, Michael Ranft, Axel Arbinger vorn sitzend: Vazgen Shanazarian, Stefan Hornung, Ulrich Kretner
Ende der 80er Jahre geriet das Friedberger Schachleben in eine Krise. Mehrere Mitglieder wechselten zum wieder eingerichteten SV Bad Nauheim. Andere verließen ihren Verein aus beruflichen Gründen (Wegzug). Es haperte an der Organisation. In einer Einladung des Vorsitzenden Axel Arbinger zu einer (außerordentlichen) Mitgliederversammlung am 18.03.1989 hieß es: „Angesichts der Situation unseres Vereins verzichte ich darauf, eine Tagesordnung festzulegen. Wir müssen aber sicher darüber diskutieren, wie und in welcher Form unser Spielbetrieb überhaupt noch aufrecht erhalten werden kann. Ich bitte deshalb Euch alle dringend, diesen Termin wahrzunehmen. Es geht um den Fortbestand unseres Vereins.“ – 1989 wurde die 2. Mannschaft zurückgezogen.
Die Lage wurde schnell wieder stabil. Im September 1989 kehrte Heino Robert nach vielen Auslandsberufsjahren endgültig nach Bonn/Friedberg zurück und übernahm die praktische Leitung des Vereins. Hält sie bis heute. Und kurz darauf trat Dr. Raoul Nakhmanson (damals Ockstadt) ein. Er ist Deutschrusse, *1934 in Nowosibirsk, Physiker von Beruf und wohnte bis zu seiner Übersiedlung 1988 nach Deutschland in Moskau. In seiner Jugend war er ein ausgezeichneter Schach- und Blindschachspieler (1956 gewann er mehrheitlich an 10 Brettern simultan gegen den Schachklub in Jalta auf der Halbinsel Krim). Obwohl viele Jahre ohne Training, übernahm er sofort das Spitzenbrett und behielt es bis zu seinem vorübergehenden Rückzug vom Schachsport 1996, aber auch bei den neuen Einsätzen danach. Er war in dieser Zeit der erfolgreichste Spieler der Schachfreunde.
Unvergessen ist seine Glanzpartie (mit den weißen Steinen) am 12.11.1995 im Wettkampf gegen den KSV Klein Karben:
1. e4 c5 2. b4 Bauernopfer zugunsten einer schnellen Entwicklung cxb4 3. d4 e6 4. a3 d5 5. e5 Ld7 6. axb4 Lxb4+ 7. c3 Lf8 8. Ld3 Lc6 9. Se2 Se7 10. 0-0 Sd7 11. Sa3 Sf5 12. Sc2 Sb6 13. Se3 Sxe3 14. fxSe3!

und kaum wahrnehmbar beginnt der Angriff auf die gegnerische Stellung. ... Dd7
15. Sg3 Lb5 16. Lxb5 Dxb5 17. Df3 Dd7 18. e4 a6 19. exd5 exd5 20. Sh5 h6 21. La3!

das listige Figurenopfer lenkt von der Verteidigung der schwarzen Königsstellung ab. ... LxLa3 22. Sxg7+ Kf8 – ein gefährlicher Versuch, den Offiziersgewinn zu sichern. 23. e6!! – vorbereitet durch den 21. Zug. Durch diesen eher unscheinbaren Vorstoß wurde die schwarze Stellung urplötzlich unhaltbar. Es droht nun unwiderlegbar Matt in neun (!!) Zügen, das muss man erst mal geahnt und dann gesehen haben! ... De7 24. Dxf7+ DxDf7 25. TxDf7+ Kg8 erzwungen.

26. Sh5 und Schwarz gab auf
Das Matt in sechs weiteren Zügen war nicht zu verhindern. Wunderschönes Schach!
Es gab einige weitere Abgänge, aber auch bereits wieder Neueintritte. Das Spielmaterial wurde gründlich überholt („verbleit + verfilzt“), zusätzliche schöne Figurensätze, Unterlagen, Uhren, eine Bibliothek (bis heute geführt im Büro von Schachfreund Heinrich Liebing, heute 100 Bände) sowie zwei Stahlblechschränke an Stelle eines umzugsschwachen Vorkriegs-Holzschrankes beschafft. Mit Rechnerhilfe konnten die Zeitungsberichte intensiviert und von Brief über Fax in 2002 auf E-Mail umgestellt werden.
1996 wurden die Schachfreunde mit etwas Glück, aber natürlich auch Können (letzter) Meister der Unterverbandsklasse, die seitdem Bezirksoberliga genannt wird. Die Stammspieler der Meistermannschaft waren: Dr. Raoul Nakhmanson, Damian Krzizok, Waldemar Ludwig, Ulrich Menken, Axel Arbinger, Sharif Zadeh, Jalil Bhuiya und Jürgen Moldenhauer.
Endstand am 17.03.1996:
1. Sfr. Friedberg 15:3 MP 43½ BP
2. SV Oberursel 2 14:4 43½
3. KSV Klein-Karben 14:4 42
4. SC Eschbach i.UL 12:6 38
5. SC Bad Nauheim 2 8:10 36½
6. SV Fechenheim 2 8:10 35
7. SV Bornheim 6:12 35½
8. SK Bad Homburg 2 6:12 34½
9. Sfr. Frankfurt 2 5:13 29
10. SV Neu-Isenburg 2 2:16 25
Auch Heimkehrer (von 1996 bis 2001) Kretner trug zur Stabilisierung bei. Er war in der Saison 1996/97 mit 6 Punkten aus 7 Partien erfolgreichster Spieler der Mannschaft in der Landesklasse, aber auch er konnte ihren Abstieg zurück in die Bezirksoberliga nicht verhindern.
1991 wurde die erste schriftliche Vereinssatzung verabschiedet und die Anerkennung als gemeinnütziger Verein erreicht. Im gleichen Jahr wurde mit ca. 700 Briefen an Firmen in Friedberg und dem umliegenden Einzugsgebiet der Schachfreunde der Versuch unternommen, einen finanziellen Unterstützer zu finden, doch ohne Ergebnis. – Die Bundesregierung hatte mit Wirkung vom 01.01. 2000 die Regelungen des Spendenrechts in der (Beamtendeutsch:) Einkommensteuer-Durchführungsverordnung (EStDV) geändert. Nunmehr können Vereine, die bisher Zuwendungen als ‚Durchlaufspenden’ erhielten, Spenden unmittelbar entgegen nehmen und hierfür „Zuwendungsbestätigungen“ selbst ausstellen. Diese Neuregelung betrifft auch die Schachfreunde von 1891 Friedberg. Zuwendungen (Kennwort: Förderung des Schachsports) an die Schachfreunde können nunmehr unmittelbar überwiesen werden auf deren Girokonto Nr. 005 101 0442 bei der Sparkasse Oberhessen in Friedberg/H., BLZ 51850079.
1996 konnte wieder eine 2. Mannschaft eingerichtet werden. Und weil auf „Kreisebene“ die Anzahl der Spieler in den Mannschaften von 8 auf 6 reduziert wurde, ging 1997 erstmals seit 1980 wieder ein 3. Team an den Start. Folgende Meldungen wurden abgegeben: 1. (Bezirksoberliga) Damian Krzizok, Ulrich Menken, Axel Arbinger, Ulrich Kretner, Waldemar Ludwig (schaffte im Fernschach den Aufstieg in die Meisterklasse), Jürgen Moldenhauer, Michael „Schlockebach“ Ranft, Christian Schrader. - 2. (Kreisliga) Sharif Zadeh, Bernhard Anderer, Siegfried Brücken (auch ein erfolgreicher Backgammon-Spieler, gewann 2001 in Zürich ein mit 54 Teilnehmern stark besetztes Turnier), Torben Kisbye-Hansen, Otto Vollmers, Daniel Plaumann (Abiturient mit Gesamtnote 1,0). Als Tabellenzweiter stieg sie in die Bezirksklasse auf. - 3. (Kreisklasse) Richard Ruhland, Michael Moog, Wolfgang Hoffmann, Günther Schiffer, Wolfgang Grimme, Oliver Reich. Als Reservespieler wurden eingesetzt Jalil Bhuiya, Sven Weiberg, Heino Robert und Jugendtalent Pascal Gutermuth (14 Jahre).
1994 wurde Erwin Kaliski Vereinsmeister, die Vereinsturniere 1996 und 1997 gewann Ulrich Menken (Vorsitzender von Mai 2000 bis zu seinem Wegzug im März 2001). 1998 und 2000 wurde das Turnier nicht ausgetragen, 1999 war Damian Krzizok erfolgreich (im Stichkampf knapp vor dem aus Bonn angereisten Altmitglied Robert Biedeköpper). 2001 nahm erstmals seit 1977 Altmitglied Dr. Roland Arbinger wieder am Vereinsturnier teil und gewann den Wanderpokal vor Damian Krzizok und Robert Biedeköpper. 2002 holte sich Damian Krzizok den Pokal von Roland Arbinger zurück (auf den Plätzen 3 + 4 folgten Dr. Raoul Nakhmanson und Robert Biedeköpper). 2003 war Michael Ranft erfolgreich, 2004 Erwin Liebske und 2005 wieder Dr. Roland Arbinger nach Stichkampf gegen Jürgen Moldenhauer. 2006 war eneutr Michael Ranft an der Reihe, 2007 dann Vladislav Kolker. Jugend-Stadtmeister von Friedberg 2003 wurde der 10-jährige Daniel Noblé aus Bauernheim. Er verteidigte den Titel 2004 und 2005.
Außerhalb der „regulären“ Meisterschaftsspiele beteiligen sich die Schachfreunde an Sonder- und Einzelturnieren. Ich erwähne von vielen das Hauptturnier der alljährlichen Hessenmeisterschaft (2000: Emin Baladjaev und Christian Schrader), die Frankfurter Stadtmeisterschaft (1987 gewonnen von Robert Biedeköpper! 1992: Dr. Raoul Nakhmanson 2. Platz unter 60 Teilnehmern, Waldemar Ludwig 12. Platz; 2000: 110 Spieler, darunter von uns Siegfried Brücken, Wolfgang Hoffmann, Ulrich Kretner und Heinrich Liebing), Hessen-Pokal „Goldener Springer“: 2003 Endspiel und zweiter Platz von Marcus Ramlow, im Vorturnier zum Deutschland-Pokal in Saarbrücken erkämpfte er sich die Teilnahme am Viertelfinale; Schlosspark-Turnier in Wiesbaden (2000: Emin Baladjaev, Wolfgang Hoffmann und Heinrich Liebing), ELO-Turniere in Passau (2000: Robert Biedeköpper und Harald Jediss) und Travemünde, Schnellturniere in Bad Homburg, Büdingen, Ffm-Griesheim und Lorsch, Blitzturniere in Oberursel, Klein-Karben, Limburg, Marburg (1998 Gewinn des „kleinen“ Maipokals für Vierer-Teams bis Bezirksoberliga in der Besetzung A. Arbinger, Krzizok, Schlapp, Jediss, 1999 und 2000 Zweitplatzierte).
Im Juni 1992 waren die Schachfreunde Ausrichter der Hessenmeisterschaften im Seniorenschach. In der Mannschaft unseres Unterverbandes 5 (= Frankfurt) spielte unser Mitglied Kutyma mit (Jahrgang 1929). Am 7. Mai 2000 wurden in der Stadthalle (im schönen und angenehm kühlen Hemingway-Restaurant, außen war es sehr warm) die Endrunden der diesjährigen hessischen Blitz-Einzelmeisterschaften ausgetragen. Für diese 7-stündige Endrunde (32 Teilnehmer, jeder spielte gegen jeden!) hatte sich aus unserem Verein Thomas Schlapp qualifiziert. Da dieser verhindert war, sprang Erwin Kaliski ein. Ferner wurden Erwin Liebske und Robin Adair zugelassen. Es gewannen die Internationalen Meister Stefan Reschke und Boris Margoline aus Oberursel.
Am 25. Januar 2003 wurde erstmals seit 1949 wieder ein großes Simultanturnier in Friedberg ausgetragen. Der 37-jährige symphatische Großmeister Rustem Dautov, geboren in Ufa am Ural (ELO 2617) spielte an 31 Brettern. Nach 5 Stunden Spielzeit (!) hatte er 26 Partien gewonnen, 5 remisiert, keine verloren. Remis spielten Robert Becker (Sfr. Hochheim), Georg Enders (SC Nidderau), die Schüler Yuriy Rogalski und Marc Nichols (SV Oberursel) sowie Robin Adair von den Friedberger Schachfreunden.

25. Januar 2003 in der Stadthalle: Großmeister Rustem Dautov am Werk.
Auf dem Bild ganz hinten links Daniel Noblé. Rechts von hinten: Siegfried Brücken, Heinrich Liebing, Maarten Marneth, Dr. Roland Arbinger, Jürgen Moldenhauer, Torben Kisbye-Hansen. Interessierte Zuschauerin: Friedel Niephaus (SC Bad Nauheim).
Die Spielstärke im Schachsport hat sich in den letzten 40 Jahren um etwa eine Klasse erhöht. Ursachen für die ganz enorme Leistungssteigerung waren die nunmehr allgemeine Verfügbarkeit von Schachliteratur und seit Mitte der 80er Jahre starke Rechner, die Training und Eigenkorrektur auch zu Hause erlauben. Schon oben wurde erwähnt, daß bereits 1987 ein Schachcomputer „Vereinsmeister“ wurde. Während früher „Naturtalente“ allein ihr fantastisches Gedächtnis ausspielten, tritt heute gezielt erworbenes Fachwissen hinzu. Zur Förderung von Training und Organisation wurde erstmals Anfang 1999 ein transportabler Rechner („Laptop“) angeschafft und mit starken Programmen aufgerüstet (inzwischen erneuert).
Die heutigen Vereinsleiter sind Otto Vollmers (formell seit Juni 2001), Heino Robert (1980-1985 und seit 1989), Jürgen Purrnhagen (Kassenverwalter seit 2005) sowie Manfred Schwabe (Jugendleiter von Juni 2001 bis Ende 2007, seitdem vakant). Sie standen und stehen für eine zufriedenstellende Organisation ein und haben dem Friedberger Schachleben sowie dem Freizeitverein Schachfreunde Tradition und Anerkennung verschafft.
Die Mitglieder des Vereins sind derzeit (Stand 2009) folgende (in Klammern Eintritt/Wiedereintritt): Robin Adair (2000), Marcus Ahlheim (2004), Dr. Roland Arbinger (1962), Oliver-André Berger (1998), Daniel Buchwald (2007), Siegfried Brücken (1996), René Gabel (2006), Joachim Gries (1970-1980/2000, in 2001 Vorsitzender des Hessischen Schachverbandes), Wolfgang Grimme (1995), Sergiy Gryshkan (2003), Arthur Handstein (2005), Nadine Hesse (2004), Wolfgang Hoffmann (1996), Martin Holland (2002), Erwin Kaliski (1993), Torben Kisbye-Hansen (1991), Mirko Klage (2000), Paul Köhler (2006), Vladislav Kolker (2005), Damian Krzizok (1994), Adalbert Kutyma (1952, im Juni 2002 zum Ehrenmitglied ernannt), Wladislaw Leidermann (2003), Heinrich Liebing (1999), Jürgen Moldenhauer (1978), Dr. Raoul Nakhmanson (1989), Lukas Nowak (2003), Jean-Marie Pauner (2003), Jürgen Purrnhagen (2004), Leon Rahimi (2005), Hamid Rahimi (2007), Michael Ranft (1982), Heino Robert (1978), Manfred Schwabe (2001), Maik Sohn (2005), Simon Stoll (2002), Marcel Trötscher (2002), Otto Vollmers (1995) Wladimir Wyshgorodskyj (2003).

Im Februar 2000 in der Stadthalle (Clubräume).
stehend von links: Jürgen Moldenhauer, Siegfried Brücken, Waldemar Ludwig, Torben Kisbye-Hansen, Wolfgang Grimme, Erwin Liebske, Michael Moog, Damian Krzizok, Ulrich Menken, Emin Baladjaev, Oliver Reich. sitzend: Oliver Berger, Heinrich Liebing, Heino Robert, Wolfgang Hoffmann, Ulrich Kretner, Thomas Schlapp, Michael Ranft.
Im Verlauf meiner Nachforschungen besuchte ich im März 2000 auch den Deutschen Schachbund DSB in Berlin. Wie mir die Gesprächspartner berichteten, hat vor uns weder der DSB noch irgend ein angeschlossener Verein die dortigen Unterlagen (insbesondere die alten Schachzeitungen) im Sinne einer Chronik ausgewertet. Eine im lebenstehende wie die vorliegende dürfte daher in Deutschland ziemlich einzigartig sein. Dabei gab es im 19. Jahrhundert schon zahlreiche deutsche Schachvereine, von Hamburg (1846) bis St. Petersburg (1877), von Königsberg (1850) bis München (1846), von Berlin (1803) bis Wien (1846), von Gießen (1858 im „Wirtschaftslokal“ von Georg Ebel) bis Chemnitz (1850), von Bonn (1850) bis Posen (1891) und Danzig (1850), von Frankfurt am Main (1861 im Café Parrot auf der Zeil) bis Tilsit (1850), von Hanau (1853) bis Sewastópol (Krim, 1837), von Lauterbach (1882) bis Grünberg (Oberschlesien, 1867). – Auch in unserem Zeitalter extremer Flexibilität sehnt man sich durchaus nach Ruhepunkten, nach Besinnung und Erinnerung. Wie selten dennoch eine mühsame, doch im Sinne von Geschichte und Tradition immer herausfordernde Aufarbeitung der Vergangenheit erfolgt, zeigt auch das Beispiel des ältesten Friedberger Vereins, des „Liederkranzes“ (Seite 8): Keine der symphatischen Sängerinnen (die älteste ist 1910 geboren und seit 1945 dabei!) wusste (im Jahr 2000), dass er 1835 als „Singverein“ gegründet worden war.

Aus dem Wettkampf der Bezirksoberliga gegen SC Patzer Ffm-Bornheim am 05.12.2004 in der Stadt-halle: Dr. Raoul Nakhmanson (links, DWZ 2055) gewinnt gegen Dr. Hans-Joachim Diekmann (2110) und Erwin Kaliski (links, 2041) gewinnt gegen Stefan Calvi (1979). Im Hintergrund links sitzend: Damian Krzizok (2019) gewinnt gegen Thomas Renner (1977).
Zum Schluss bitte ich den Leser mir zu erlauben, eine eigene, ich finde hübsche Partie, in diese Chronik aufzunehmen, die ich (damals DWZ 1589) am 29. April 1998 in Bonn mit den schwarzen Steinen gegen Großmeister Gerald Hertneck (damals DWZ 2564) gewonnen habe (er spielte an 20 Brettern simultan, gewann 17, remisierte zweimal und verlor nur diese eine Partie):
1. d4 Sf6 2. c4 e6 3. Sc3 Lb4 4. Lg5 LxSc3 5. bxLc3 h6 6. Lh4 d5 7. e3 b6 8. c4xd5 e6xd5 9. Df3?! g5 10. Lg3?? Lg4

(hier übersah der Großmeister, dass der anvisierte Bauer c7 „vergiftet“ war: ... (11. Lxc7 Dxc7 12. Dxf6 Dxc3 matt!) 11. h4 LxDf3 12. h4xg5 (wütender Gegenangriff) Se4! 13. Le5 f6 14. g5xf6 Sxf6 15. SxLf3 c6 16. Ld3 Kf7 17. Th4 Sb-d7 18. Tf4 De7 19. Ke2 Ta-f8 20. Th1 Ke8 21. Th3 Da3 22. Sh4 Dxa2+ 23. Kf3 SxLe5+ 24. d4xSe5 Se4

Schlussstellung Weiß gab auf.
Wegen der notwendig weiter steigenden Mobilität der Menschen, verbunden mit enorm steigenden Anforderungen im privaten und beruflichen Leben, bleibt für zeitaufwändige Außenseitersport- und -spielarten wie das Schach derzeit wenig Muße und Zeit. Eltern wollen oder können sich immer weniger darauf konzentrieren mit ihren Kindern zu spielen. Diese werden daher früh in kurzfristige Eigenaktionen z.B. am Bildschirm eingewöhnt und beschäftigt, um nicht zu sagen: abgeschoben. Alle Vereine (nicht nur im Schach), eigentlich gegründet für regelmäßige Treffs von allmählich wechselnden Generationen Gleichgesinnter, müssen sich mit hektischen Wechseln abfinden. Die örtliche Tradition leidet, eine überörtliche gibt es, wenn überhaupt, nur scheinbar. Besonders kleine Vereine wie der unsrige sind daher gefordert, ihren Mitgliedern die Tradition von Generationen mit jeweiligem Lebensumfeld nahe zu bringen und in ihnen wach zu halten, in ihnen überhaupt das Bewusstsein dafür zu wecken, dass sie in der Nachfolge spielbegeisterter Vorväter stehen und deren alte Begeisterung an den ewigjungen und fesselnden Kombinationen auf dem Brett noch heute teilen. Hierfür ist diese Chronik gedacht. Auch möge sie es nicht mehr aktiven Spielern erleichtern, ihrem Verein treu zu bleiben. Denn irgendwann wird wieder jemand fragen: Wie war es damals?
Verfasser: Heino Robert
langjähriger 2. Vorsitzender und Ehrenmitglied der Schachfreunde Friedberg