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Friedberger Frauenschach: Stürmische Entwicklung:

 

Die Schachfreunde Friedberg sind schon ein ganz besonderer Verein – zumindest seit Sommer 2010. Wir sind der einzige hessische Verein, der mehr Frauen- als Männermannschaften aufweist. Die Schachfreunde haben aktuell 4 Frauen- aber nur 3 Männermannschaften. Zum Vergleich: Insgesamt spielen im Spielbetrieb des Hessischen Schachverband 492 Männer- aber nur 8 Damenmannschaften.

Dies war nicht immer so, so hatten die Schachfreunde Friedberg noch Anfang 2010 keine einzige Frau in ihren Reihen – nun sind es 19 eigene Frauen und weitere 18 Gastspielerinnen aus anderen Vereinen, die in Friedberg in den Frauenmannschaften spielen weil ihr Verein keine eigene Frauenmannschaft stellen kann.

 

Saison 2007/08:

 

Die Geburtsstunde des Friedberger Frauenschachs lag im Sommer 2007 im 20 km entfernten Hungen wo Udo Wallrabenstein zufällig eine Ausschreibung zur hessischen Damenliga 2007/08 in die Hände gefallen war. Da sowohl die Frau als auch die beiden Töchter von Udo Wallrabenstein Schach spielten war der Entschluss eine Frauenmannschaft zu gründen schnell gefasst. Nun galt es noch weitere Spielerinnen für das Frauenschach zu begeistern was in einer „Last-Minute-Aktion“ auch gelang. Mit 9 Spielerinnen, davon 5 Gastspielerinnen ging es zunächst los. Bei 5 Mannschaften in der Hessischen Damenliga hatte die SSG Hungen/Lich am 03.11.2007 zunächst spielfrei und musste am 24.11.2007 zum ersten Mannschaftskampf in Hofheim antreten. Hofheim war zu diesem Zeitpunkt der absolut führende Verein im Hessischen Frauenschach. Während alle anderen Vereine nur eine Mannschaft auf die Beine stellen konnten hatte Hofheim bereits 2007 drei Frauenmannschaften. Immerhin konnte die neue Hungen/Licher Mannschaft ein 2:2 gegen Hofheim 3 erzielen. Am 08.12.2007 kam dann zum ersten Mal Friedberg ins Spiel. In Hungen war das dortige Spiellokal „Kulturzentrum Hungen“ belegt und so fragte Udo Wallrabenstein beim Friedberger Verein ab, ob man denn dieses eine Spiel in Friedberg spielen könne. Der damalige Friedberger Vorsitzende Heino Robert war begeistert und lud die Damen gerne in die Stadthalle Friedberg ein. Friedberg war bereits damals ein gutes Pflaster, denn die Hungen/Licher konnten gegen Eschborn mit 2½:1½ gewinnen.

Anfang 2008 gelang es Udo Wallrabenstein zwei weitere Spielerinnen für die SSG Hungen/Lich zu gewinnen. Mit dieser Verstärkung wurde am 02.02.2008 in Korbach mit 3½:½ gewonnen und plötzlich war die SSG Hungen/Lich auf dem 2. Platz. Mit 5:1 Punkten empfingen die Hungen/Licher am 23.2.2008 dann den SV Caissa Kassel, der alle Spiele gewonnen und folglich 6:0 Punkte hatte. Das entscheidende Spiel um den Aufstieg in die Frauen-Regionalliga begann: Kassel würde ein 2:2 reichen, während Hungen/Lich unbedingt gewinnen musste um aufsteigen zu können. Nachdem Veronika Preiß am 4. Brett die SSG Hungen/Lich mit 1:0 in Führung gebracht hatte verlor Elena Wallrabenstein ihre Partie zum 1:1. Nun stand der Kampf auf des Messers Schneide, jedoch konnte die beiden Gastspielerinnen Katharina Pralle und Margit Witt ihre Partien gewinnen und der SSG Hungen/Lich damit den Aufstieg sichern. Die SSG Hungen/Lich wurde somit in der Saison 2007/08 mit 7:1 Punkten und 11:5 Brettpunkten Hessischer Frauenmannschaftsmeister 2008!

 

Saison 2008/09:

 

Das aufstrebende Hungener Frauenschach zog schnell weitere Spielerinnen an, so dass in der Saison 2008/09 bereits 19 Spielerinnen darunter 10 Gastspielerinnen für die SSG Hungen/Lich an die Bretter gingen. Neben der Regionalliga-Mannschaft wurde eine 2.Mannschaft in der Hessischen Damenliga aufgestellt. Die 1. Mannschaft gewann am 09.11.2008 gleich ihr erstes Spiel gegen Schott Mainz 2 mit 4:0. Nachdem in der 2. Runde bei Vorwärts Orient Mainz ein 2:2 erzielt werden konnte mussten die Hungenerinnen am 25.01.2009 mit dem 1:3 gegen Mutterstadt die erste Niederlage hinnehmen. Durch eine kurzfristige Absage einer Spielerin wegen eines Wasserrohrbruchs musste die SSG Hungen/Lich zum ersten Mal ein Brett freilassen und so war gegen die starke Mannschaft aus Mutterstadt nichts zu holen. Wie sich später herausstellen sollte war dies die entscheidende Niederlage, d.h. hätte die SSG Hungen/Lich dieses Spiel gewonnen wäre sie bereits in der Saison 2008/09 in die 2. Frauenbundesliga aufgestiegen. Der 4:0 Sieg gegen Heidelberg-Handschuhsheim am 8. März 2009 sowie das 2:2 in Heidesheim am 26. April 2009 reichten leider nur zum 2. Platz mit 6:4 Punkten und 13:7 Brettpunkten.

Die 2. Mannschaft konnte 3 Spiele gewinnen und zweimal unentschieden spielen, so dass sie mit 8:2 Punkten und 13½:6½ Brettpunkten auf dem 2. Platz der Hessischen Damenliga landete. Ein Antrag als Zweiter ebenfalls in die Frauen-Regionalliga aufsteigen zu können wurde gestellt und auch genehmigt.

 

Saison 2009/10:

 

Zur Saison 2009/10 konnte die SSG Hungen/Lich weitere 10 Spielerinnen gewinnen, so dass man nun 29 Spielerinnen darunter 11 Gastspielerinnen an Bord hatte. Diese Saison stellte den Höhe- und gleichzeitig auch den Wendepunkt des Hungen/Licher Frauenschachs dar.

Mit 4 Frauenmannschaften wurden erstmals mehr Frauen- als Herrenmannschaften gestellt und außerdem wurde der SV 1920 Hofheim, der weiterhin 3 Frauenmannschaften stellte, in quantitativer Hinsicht überholt.

Zwei Frauenmannschaften spielten in der Frauen-Regionalliga und zwei Frauenmannschaften in der Hessischen Damenliga.

Die 1. Mannschaft startet vorzüglich in die neue Saison: Im 1. Spiel am 08.11.2009 gewann man gegen die eigene 2. Mannschaft mit 4:0 und im 2.Spiel am 06.12.2009 gegen Eschborn ebenfalls mit 4:0. Leider hielt diese Erfolgsserie nicht und so wurden die Spiele 3 + 4 (am 17. Januar 2010 bei Schott Mainz 2 und am 21. Februar 2010 gegen Heidesheim) jeweils mit 1:3 verloren. Im letzten Spiel mussten die Hungen/Licher am 28. März 2010 bei Tabellenführer Vorwärts Orient Mainz (8:0 Punkte) antreten und verloren ½:3½. Trotz der verlorenen Spiele wurde mit 4:6 Punkten und 10½:9½ Brettpunkten der 3.Platz in der Frauen-Regionalliga Südwest erreicht. Die 2. Mannschaft erreichte in der Frauen-Regionalliga 2:8 Punkte und 4:15 Brettpunkte. Die 3.Mannschaft kam in der Hessischen Damenliga auf 6:8 Punkte und 11½:16½ Brettpunkte während die 4. Mannschaft – ebenfalls in der Hessischen Damenliga – 2:12 Punkte und 8:20 Brettpunkte erzielen konnte.

 

Der Wechsel nach Friedberg:

 

Im Vorstand der SSG Hungen/Lich wurde kontrovers über das Frauenschach diskutiert. Gab' es bisher eine Sonderreglung für die Gastspielerinnen – die ja bereits in ihrem Heimatverein Mitgliedsbeiträge gezahlt hatten – so verlangte die SSG Hungen/Lich plötzlich, dass auch die Gastspielerinnen volle Mitgliedsbeiträge (70 Euro pro Jahr) zahlen müssten. Dies stellte die erfolgreiche Entwicklung in Frage, denn welche Gastspielerin wäre bereit neben ihrem Mitgliedsbeitrag im Heimatverein auch noch 70 Euro bei der SSG Hungen/Lich zu zahlen?

In dieser Situation boten die Schachfreunde von 1891 Friedberg der Frauenabteilung eine neue Heimat an. Da die SSG Hungen/Lich die Qualifikationen der Frauenmannschaften freiwillig abgab' konnten die Schachfreunde Friedberg gleich in die Fußstapfen der SSG Hungen/Lich treten und für die Frauen-Regionalliga planen. Anfang Juni kam dann völlig überraschend das Angebot, dass die Schachfreunde Friedberg – als Nachfolgerin der SSG Hungen/Lich – direkt in der 2. Frauenbundesliga antreten können. Was war passiert? Die Frauen-Regionalligen sind in 6 Staffeln unterteilt aus denen jeweils die erste Mannschaft aufsteigt. In der Nord- und der Nordwest-Staffel fand sich jedoch kein Aufsteiger, so dass Schott Mainz 2 als Zweiter und die Schachfreunde Friedberg als Dritter gefragt wurden, ob sie stattdessen aufsteigen wollen. Nach kurzer Überlegung nahmen wir das Angebot an und spielten in der Saison 2010/11 in der 2. Frauenbundesliga Gruppe Mitte. Neben der 1. Mannschaft wurden noch weitere drei Mannschaften gemeldet: Friedberg 2 in der Fraun-Regionnaliga, Friedberg 3 in der Hessischen Damenliga und Friedberg 4 in der 2. Hessischen Damenliga, die neu eingeführt wurde.

 

Saison 2010/11:

 

Die Saison 2010/11 nahte und die Schachfreunde Friedberg hatten keine 2. ligataugliche Mannschaft. Was also tun? Udo Wallrabenstein hatte Kontakt zu der Ungarin Lili Toth, die 2010 die Hessische Frauen-Einzelmeisterschaft für den SK Königsjäger Hungen gewonnen hatte. Lili Toth wechselte nach Friedberg und brachte mit Melinda Goczo gleich noch eine Freundin mit. Über Facebook stellte Udo Wallrabenstein den Kontakt zu Deimante Daulyte aus Litauen sowie Irina Bulmaga aus Rumänien. Ein Schachspieler empfahl den Friedbergern noch die Bulgarinnen Adriana Nikolova und Lyubka Genova und dann war da noch Eva Repkova, die Udo Wallrabenstein seinerzeit nach Hungen geholt hatte. Plötzlich hatten die Friedberger eine tolle Mannschaft aber die Organisation einer Mannschaft mit 6 Spielerinnen war doch eine immense Aufgabe. Glücklicherweise stieß zunächst Martin Herwig-Päutz dazu und unterstützte das Frauenschach nach Kräften. Gemeinsam fuhr man am 5. November 2011 zum ersten Spiel der neuen Saison zum bisherigen hessischen Primus dem SV 1920 Hofheim. Zwei Jahrzehnte lang hatte der SV 1920 Hofheim das hessische Frauenschach dominiert und kein anderer hessischer Verein hatte Hofheim herausfordern können. Am 5. November 2011 endete diese Vorherrschaft jedoch, denn die Friedbergerinnen gewannen in Hofheim mit 5:1. Während Friedberg an den Brettern 1-4 die Partien für sich entscheiden konnte erreichte Hofheim an den Brettern 5 und 6 jeweils wenigstens ein Remis. Als am 6. November gegen Zeulenroda mit 4½:1½ und am 7. November gegen Chemnitz mit 6:0 gewonnen werden konnte hatte der Aufsteiger auf Anhieb die Tabellenführung erobert. Vor der Heimdoppelrunde im Dezember 2010 konnten die Schachfreunde Friedberg René Gabel von der Agentur Blue_Lightning als Trikotsponsor gewinnen. Am 4. Dezember gewann Friedberg zunächst 3½:2½ gegen den Erstligaabsteiger Medizin Erfurt büßte jedoch die Tabellenführung ein, da Weißblau-Allianz Leipzig mit 6:0 gegen Chemnitz gewann. Der 5. Dezember brachte dann einen 6:0 Sieg gegen Wattenscheid und damit erneut die Übernahem der Tabellenführung vor den Leipzigern. Nun lief alles auf das große Finale am 19. und 20. Februar 2011 in Leipzig hinaus. Nach dem samstäglichen 5:1 Sieg gegen Leipzig-Lindenau war klar, dass uns am Sonntag ein 3:3 reichen würde jedoch gewannen wir sogar gegen Weißblau Allianz Leipzig und hatten mit 14:0 Punkten den Aufstieg in die 1. Frauenbundesliga geschafft. Die 2. Mannschaft hatte in der Saison 2010/11 mit Terminüberschneidungen zu kämpfen und kam daher nur zu 1:9 Punkten und 5½:14½ Brettpunkten. Jedoch erhielten wir einen Freiplatz für die Regionalliga, so dass wir in der Saison 2011/12 weiterhin mit der 2. Mannschaft in der Frauen-Regionalliga antreten können.

Unsere 3. Mannschaft landete mit 1:5 Punkten und 4½:7½ Brettpunkten auf dem 4. Platz der hessischen Damenliga während die 4. Mannschaft mit 5:1 Punkten und 8:4 Brettpunkten den 2. Platz der 2. Hessischen Damenliga und damit den Aufstieg in die Hessische Damenliga erreichen konnte. 

Schachfreunde von 1891 Friedberg